Hinweise für Lehrkräfte
Methoden, Stufung und universelles KI-Verständnis
Was dieser Kurs ist – und was nicht
Der KI-Führerschein ist ein modularer Selbstlernkurs für Schülerinnen und Schüler (Kernzielgruppe Klassen 5–8, anpassbar für 3–4 und 7–8). Jedes der sieben Level dauert ca. 15–20 Minuten und endet mit einem Level-Check. Nach allen Leveln folgen Abschlussprüfung und druckbares Zertifikat.
Bewusste Designentscheidungen:
- Toolneutral: Es werden keine Produkt- oder Modellnamen vermittelt, sondern Werkzeug-Typen (Text-KI, Bild-Generator, Such-KI) und Prüfkriterien. So bleibt der Kurs gültig, auch wenn sich der Markt monatlich dreht – und er funktioniert mit jedem Werkzeug, das Ihre Schule zulässt.
- Kompetenz- statt Bedienschulung: Die Inhalte folgen den AI-Literacy-Rahmenwerken von OECD/EU: verstehen, anwenden, kritisch bewerten, verantwortungsvoll handeln.
- Datenschutz als Vorbild: Die Website selbst sammelt nichts. Fortschritt und Name liegen ausschließlich im Browser-Speicher des Endgeräts (localStorage), es gibt keine Konten, keine Server, keine Cookies von Drittanbietern.
- Offline-fähig: Der gesamte Ordner kann per USB-Stick,
Schulserver oder Lernplattform verteilt werden; ein Doppelklick auf
index.htmlgenügt.
Der didaktische Kompass
Fünf Kompetenzbereiche ziehen sich quer durch alle Module:
| Kompetenzbereich | Leitfrage | Schwerpunkt-Level |
|---|---|---|
| Verstehen | Wie funktioniert KI grundsätzlich? | 1, 7 |
| Anwenden | Wie nutze ich KI gezielt und effizient? | 3, 4, 6 |
| Reflektieren | Wo liegen Stärken, Grenzen, Fehlerquellen? | 2, 4, 7 |
| Gestalten | Wie entstehen eigene Produkte mit KI-Unterstützung – ohne Verlust der Eigenleistung? | 3, 6 |
| Verantwortung | Wie handle ich fair, sicher und nachhaltig? | 5, 6, 7 |
Anpassung an die Klassenstufe
| Stufe | Empfehlung |
|---|---|
| Klassen 3–4 | Lehrergeführt im Plenum oder in Kleingruppen; Texte gemeinsam lesen und vereinfachen („schlaue Programme“, „Muster erkennen“, „Computer, die raten“). KI-Interaktionen ausschließlich über das Lehrkraft-Gerät demonstrieren. Die Spiele (Daten-Ampel, Fake-Detektor, Nächstes-Wort) funktionieren auch analog mit Karten an der Tafel. |
| Klassen 5–6 | Kernzielgruppe des Selbstlernformats. Einführung der Fachbegriffe (Algorithmus, Trainingsdaten, Prompt, Halluzination). Partnerarbeit empfohlen, eigene Prompt-Experimente unter Aufsicht. |
| Klassen 7–8 | Vertiefung über die Vertiefungslinks und eigene Projekte: Werkzeug-Battles mit Kriterienkatalog, Debatten zu Ethik und Urheberrecht, technische Hintergründe (Bias, generative Modelle) auf einfachem Niveau. Level 6 (schriftliche Arbeiten) besonders gründlich behandeln. |
Wichtig: Klären Sie vorab, welche KI-Werkzeuge an Ihrer Schule bzw. in Ihrem Bundesland für Schülerinnen und Schüler zugelassen sind (Alterseinschränkungen, Datenschutz, schulische Logins). Alle „Probier's selbst"-Aufgaben formulieren deshalb bewusst: „ein Chatbot, den deine Schule erlaubt“.
Methoden-Steckbriefe zu den Leveln
🤖 Level 1: KI verstehen
- Analoge Alternative: Rollenspiel „Ich bin eine KI“ – Schüler reagieren nur nach vorgegebenen Wenn-dann-Karten; oder ein „lebendes neuronales Netz“: Jede Schülerin ist ein Knoten und stimmt ab, ob ein Bild eher „Katze“ oder „Hund“ zeigt.
- Vertiefung: Mit Teachable Machine in 10 Minuten eine eigene Bild-KI trainieren – macht den Zusammenhang Trainingsdaten → Ergebnis körperlich erfahrbar (auch: Was passiert bei einseitigen Trainingsdaten? → Bias).
- Beispiel-Prompt (Lehrkraft → KI): „Erstelle eine altersgerechte Erklärung, wie ein KI-System Muster in Bildern erkennt, für eine 4. Klasse. Verwende Alltagsvergleiche, maximal 200 Wörter."
🔍 Level 2: Faktencheck
- Methode „Fehler-Fabrik“: Gruppe A lässt die KI absichtlich fehlerhafte Erklärungen erzeugen, Gruppe B findet und korrigiert die Fehler mit Suchmaschine und Nachschlagewerk.
- Demonstration: Eine Biografie über eine erfundene lokale Persönlichkeit generieren lassen – der Aha-Moment, wenn die KI selbstbewusst liefert, trägt die ganze Stunde.
- Prüffragen etablieren: „Stimmt das? Woher weiß ich das? Welche Quelle? Wer steckt dahinter?" als Plakat im Klassenzimmer.
💬 Level 3: Prompting
- Prompt-Werkstatt: Schwache Prompts (vorgegeben) systematisch mit der Formel Rolle + Aufgabe + Kontext + Format verbessern; Vorher-Nachher-Tabelle führen.
- Prompt-Battle: Wer holt mit maximal 3 Versuchen die hilfreichste Antwort zu einer gegebenen Aufgabe? Jury = Klasse, Kriterien vorher festlegen.
- Nachhaltig: Gute Prompts in einer klassen- oder schulweiten Prompt-Bibliothek sammeln (Heft, Wiki, Lernplattform).
🥊 Level 4: Werkzeug-Vergleich
- Klassen-Experiment: Gleiche Aufgabe an zwei bis drei zugelassene Werkzeuge; Bewertung nach Kriterienkatalog (Verständlichkeit, Richtigkeit, Anweisungstreue, Ton). Ergebnisse als Plakat oder digitale Pinnwand.
- Diskussionsanlass: Wann ist KI-Unterstützung sinnvoll, wann lenkt sie ab oder ist unfair (Leistungsnachweise)?
- Hinweis: Der Kurs vermittelt bewusst Werkzeug-Typen; die konkrete Werkzeug-Auswahl treffen Sie tagesaktuell nach schulischen Vorgaben.
🔒 Level 5: Datenschutz
- Fallvignetten: Kurze Szenen, in denen Daten unbedacht geteilt werden (der Chat-Ernstfall aus dem Level eignet sich als Rollenspiel zu dritt).
- Klassenregel erarbeiten: „Was wir nie in Chatbots schreiben“ – von den Schülern selbst formuliert wirkt stärker als vorgegeben.
- Anonymisierungs-Trick explizit üben: echte Angaben durch Platzhalter ersetzen – eine dauerhaft nützliche Kulturtechnik.
- Extern: MPZ oder Datenschutzbeauftragte als Gäste einladen.
🎓 Level 6: Lernbegleiter & schriftliche Arbeiten
- Vergleichsaufgabe: Ein Thema einmal ohne, einmal mit KI vorbereiten – anschließend reflektieren: Was habe ich wo gelernt?
- Lernjournal: Dokumentieren, wann KI geholfen hat – und wann nicht.
- Transparenzregel kommunizieren: Die Ampel (erlaubt / kennzeichnungspflichtig / Täuschung) mit den konkreten Regeln Ihrer Schule füllen und schriftlich aushändigen. Ein einheitlicher Kennzeichnungssatz („Für diese Arbeit habe ich KI genutzt, um …") senkt die Hemmschwelle zur Ehrlichkeit.
🌍 Level 7: Nachhaltigkeit
- Öko-Check: Den eigenen digitalen Alltag (Streaming, Gaming, KI-Nutzung) reflektieren und Einsparmöglichkeiten suchen.
- Wissenschaftspropädeutik: Kursierende Verbrauchszahlen sind umstritten und veralten schnell – genau das ist eine Lernchance: Schätzwerte als Schätzwerte behandeln (Brücke zu Level 2).
- Produkt: Persönliche „Wann-Regeln“ oder ein Klassenplakat für bewussten KI-Einsatz.
Universelles KI-Verständnis: Warum ohne Produktnamen?
Konkrete Modelle und Apps veralten innerhalb von Monaten – die zugrunde liegenden Prinzipien nicht. Was bleibt:
- Das Funktionsprinzip: Generative KI sagt auf Basis von Trainingsdaten wahrscheinliche Fortsetzungen voraus. Daraus folgen alle Stärken (Sprachgewandtheit, Vielseitigkeit) und alle Schwächen (Halluzination, Bias, kein Wahrheitsbegriff) – unabhängig vom Produkt.
- Die Prüfroutinen: Gegenrecherche, Logik-Check, Quellenkritik funktionieren bei jedem heutigen und künftigen Werkzeug.
- Die Auswahlkriterien: Statt „nimm App X“ lernen die Schüler Kriterien (Aufgabentyp, Datenschutz, Qualität, Aktualität), mit denen sie jedes neue Werkzeug selbst beurteilen können.
Für Ihre eigene Praxis heißt das: Sie können jedes an Ihrer Schule zugelassene Werkzeug einsetzen – der Kurs passt sich an, nicht umgekehrt. Sprechen Sie im Unterricht von „Text-KI“, „Bild-Generator“ oder „Tabellenkalkulation“ statt von Markennamen; die Schüler übertragen das Prinzip dann selbstständig.
Einsatzszenarien & Organisation
- Baukasten: Jedes Level ist eine eigenständige HTML-Seite und einzeln verlinkbar – Module lassen sich überspringen, umsortieren oder einzeln in Lernplattformen einbinden.
- Formate: Wochenprojekt (1 Level pro Tag), Projekttag (alle Level im Stationsbetrieb), begleitend im Fachunterricht (Deutsch, Ethik, Informatik, Sachunterricht) oder als Vertretungsstunden-Reserve.
- Fortschritt: Der Fortschritt wird pro Gerät/Browser gespeichert. In Computerräumen mit wechselnden Plätzen empfiehlt sich: gleicher Platz für die Kursdauer, oder das Zertifikat am Ende in einer Sitzung erarbeiten lassen. Über „Fortschritt löschen“ im Seitenfuß lässt sich ein Gerät zurücksetzen.
- Abschluss würdigen: Die gedruckten Zertifikate feierlich übergeben – der „Führerschein“-Charakter motiviert erfahrungsgemäß stark.
Zur eigenen Vertiefung
- OECD/EU AI Literacy Framework Der internationale Kompetenzrahmen, an dem sich dieser Kurs orientiert.
- KI-Campus Kostenlose Fortbildungen und Kurse zu KI – auch speziell für Lehrkräfte.
- klicksafe für Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien zu KI, Datenschutz und Medienkompetenz.
- SMK-Blog (Sachsen) Praxisbeispiele, wie sächsische Schulen KI einsetzen – gut für Schulkonferenzen und Elternarbeit.
- DigiMoK – Digitales Mobiles Klassenzimmer Mobiles Projektangebot in Sachsen, ideal als Praxis-Ergänzung zum Kurs.